Lehrgrabung 2010 der Uni Tübingen in der Elsachstadt

Schaufeln statt schnöder Theorie – die Lehrgrabung der Uni Tübingen in der Elsachstadt

Harte Arbeit stand im August nördlich des Burrenhofs westlich von Grabenstetten im Gebiet der ehemaligen Elsachstadt an: Insgesamt 17 Zweitsemester des Studiengangs Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen lernten unter Anleitung von Doktor Jörg Petrasch Grabungstechniken und legten dabei an die 250 Quadratmeter frei. In zwei Gruppen geteilt griffen die Studenten zunächst zu Schaufeln und Hacken, aber auch filigranere Werkzeuge für die Feinarbeiten sowie Bleistift und Papier für die Dokumentation wurden benötigt. Schwitzen statt schnöder Theorie also – aber bei den Studenten kam die Aktion an. „Das ist zwar harte Arbeit, aber es macht auch Spaß, mal in der Praxis zu schnuppern“, so unsiono die Aussage der Kursteilnehmer.

Tipp vom „Ackerläufer“

Ganz auf freiwilliger Basis war das Projekt für die Studenten aber nicht: Für ihren Bachelor-Abschluss benötigen sie einen Schein in Grabungstechnik. „Wir führen deshalb jedes Jahr eine Lehrgrabung durch. Und aus Kostengründen immer in der Nähe von Tübingen“, erklärt Jörg Petrasch. Richtig graben zu lernen ist für die angehenden Ur- und Frühgeschichtler sehr wichtig. „Vor allem, um später andere Ausgrabungen und deren Ergebnisse richtig beurteilen zu können“, sagt Jörg Petrasch.

Auf das untersuchte Gebiet sind die Tübinger übrigens über einen alten Bekannten gekommen: „Ackerläufer“ Achim Lehmkuhl hatte im Laufe der Jahre immer wieder bemerkenswerte Funde wie Amphoren-Bruchstücke und Holzkohle-Reste an besagter Stelle gemacht und regte über die Denkmalämter Esslingen und Tübingen an, das Gelände doch mal genauer zu untersuchen. Die Ämter prüften das Anliegen und nahmen Kontakt mit dem Pächter der Ackerfläche auf. „Einfach drauf los graben darf man nicht“, erklärt Jörg Petrasch. So standen zunächst Verhandlungen mit dem Pächter zum Beispiel hinsichtlich einer finanziellen Entschädigung an. Unterstützt wurde die Lehrgrabung übrigens vom Förderverein für Archäologie, Kultur und Tourismus (FAKT), der sich ja bekanntlich neben der Regionalentwicklung von Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler auch die weitere Erforschung der keltischen Vergangenheit der drei Gemeinden auf die Fahnen geschrieben hat. Die Grabung wurde zudem vom Förderverein Heidengraben, der Gemeinde Grabenstetten sowie zahlreichen Privatpersonen unterstützt.

Glücksfall und Notwendigkeit

Die Elsachstadt als Ort für eine Lehrgrabung betrachtet Jörg Petrasch als Glücksfall, aber auch als Notwendigkeit: „Der Erhalt der Befunde ist bislang ganz gut. Aber wenn man nochmal 30 Jahre wartet, ist es für viele Funde bereits zu spät und sie sind unwiederbringlich zerstört.“ Denn in der Regel waren keltische Bauten aus Holz und Lehm, deshalb sind von den Siedlungen meist nur noch dunkle Flecken am Boden übrig. Sie entstanden, als das Holz der Häuser vermoderte. Man findet also keine Mauern oder gar ganze Burgen und Paläste wie bei anderen Kulturen. Durch den Ackerbau und die ständige Umwälzung des Erdreichs werden und wurden viele Zeugnisse der Kelten – immerhin das antike Kernvolk Europas – zerstört oder aus ihrem Zusammenhang gerissen.

Auch bei der aktuellen Ausgrabung stießen die Tübinger auf eine viel versprechende Stelle – für den gemeinen Betrachter nur eine dunklere Stelle im Erdreich, Doktor Petrasch und seine Studenten vermuteten aber zunächst eindeutige Überbleibsel einer keltischen Besiedlung. Bei späteren Untersuchungen stellte sich allerdings heraus, dass ein Teil der Spuren vermutlich um einiges jünger sind und aus dem Mittelalter stammen. Ganz leer ausgegangen sind die Studenten aber trotzdem nicht: Neben dem Praxiswissen wurden zahlreiche Scherben und andere Bruchstücke gefunden, sorgfältig in Plastiktüten verpackt und ins zentrale Fundarchiv nach Rastatt geschickt.

Text: Kerstin Dannath

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*